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1926 - 1929
Steyr XII
Premiere hatte der Steyr XII (Steyr 6/30 PS)
im Oktober 1925 in London, wo Österreich (Steyr und Austro
Daimler) das erste mal seit 1918 wieder vertreten war.
Bei seiner Vorstellung war die Fachpresse voll
des Lobs und der Bewunderung. Der von Anton Honsig* konstruierte
"12er Steyr" war aber auch technisch absolut up to date.
Der laufruhige 6-Zylinder-Motor hatte zwar aus ökonomischen
Gründen den bescheidenen Hubraum von 1,6 Litern, leistete aber
mit kettengetriebener obenliegender Nockenwelle und leichtläufigen
Rollenlagern dennoch 30 PS bei 3000 U/min.
Die aufwendige hintere Achsaufhängung mit feststehendem Differential
und freischwingenden Achshälften ("Schwingachsen")
führte zu hohem Komfort und zusammen mit dem leichten Tiefrahmen-Fahrgestell
zu guter Straßenlage.
*Honsig ging als Porsche kam (s.u.). Er war später
bei Auto-Union.

Steyr XII Innenlenker in Weymann-Luxus-Ausführung

Steyr XII Innenlenker Weymann Confort
- mit Koffer und Sturmstangenattrappe
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Prospekt des Steyr XII -
Deutschland-Vertrieb Berlin
Nr. P.A. 238 / II. 28 Druck Rosenfeld



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Die Bauzeit des Steyr XII war gekennzeichnet
durch die Aufbruchsstimmung der Zwanziger Jahre. Geld wurde verdient
und ausgegeben, Autos verkauften sich gut, die Produktionszahlen
stiegen.
Von 1926 bis 1929 wurden 11.124 Stück gebaut.
Nicht zuletzt, weil auch der Export dieses Modells forciert wurde,
u.a. auch über eine eigene Vertriebsgesellschaft in Deutschland.
Der Preis von 6290 RM für das einfache "Double-Phaeton"
war zwar kein Sonderangebot, aber die Kunden waren bereit die hohe
Zuverlässigkeit zu honorieren.
Steyr bot 1928 neben dem Typ XII auch den "großen"
Steyr XVI mit
dem 4-Liter 6-Zylinder Motor und 70 PS, sowie den Typ VII mit 3,3
ltr und 50 PS an. Waren im Jahr 1927 schon über 3800 Fahrzeuge
gebaut worden, so stieg die Produktion 1928 auf 4300 Stück.
1929 schien es so weitergehen zu wollen.
Der Typ VII war veraltet, seine Tage waren gezählt.
Zwischen 30 PS und 70 PS fehlte dann aber ein Fahrzeug - mit Hochdruck
wurde daher der nächste Steyr-Typ entwickelt: der Steyr
XX
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1929: Demar-Prospekt des Steyr
XII
und Zeitschriftenwerbung
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1929
Steyr Austria
Anfang des Jahres 1929 lief die Produktion bei
Steyr auf vollen Touren.
Die Auftragslage schien sich in den nächsten
Jahren noch verbessern zu wollen. Die Planung sah Produktion auf
Vorrat vor, da erwartet wurde, dass es mit den vorhandenen Kapazitäten
zu Lieferengpässen kommen würde. Die Bestellung von Prof.
Porsche als technischer Leiter hatte die Euphorie zusätzlich
geschürt.

Steyr Austria - 1929 - 8 Zylinder, 100 PS
Porsches Absicht, einen luxuriösen 8-Zylinder
zu bauen, wurde daher nie in Frage gestellt. Die Vorstellung des
100 PS starken 5,3 ltr Wagens am Pariser Autosalon erregte Aufsehen
- und Stolz bei den Steyr-Leuten.
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Chassis Steyr Aústria
Nach Paris wurde der Steyr 100 HP auf der Olympia
Motor Show in London gezeigt.

Annonce 1929 mit Preis des Steyr 100 HP
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Dann kam die Weltwirtschaftskrise, der Zusammenbruch
von Steyrs Hauptaktionär (siehe unten)
und damit der Besitzerwechsel. Der neue Hauptaktionär (Creditanstalt)
war auch Hauptäktonär des Konkurrenten Austro-Daimler-Puch
AG.
Porsche sah sich wieder mit den Bank-Leuten konfrontiert,
wegen derer er 1923 seinen Posten als Generaldirektor bei der Österr.
Daimler-Motoren-Gesellschft ("Austro Daimler") aufgegeben
hatte.
Porsche verabschiedete sich von Steyr nach weniger
als einem Jahr
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Nicht nur, dass Steyr plötzlich auf einer
Halde unverkaufter Autos saß, auch die Ära Porsche bei
Steyr war zu Ende gegangen, bevor sie richtig begonnen hatte.
Der neue Hauptaktionär verbot außerdem
die Herstellung des neuen 8-Zylinder Steyr.
Austro Daimler sollte keine inländische
Konkurrenz bekommen. .
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1929
Steyr XX
Der Steyr XX war als Ergänzung zum Steyr
XII geplant. Technisch
war er eine Weiterentwicklung des Steyr XII, Hauptunterschied war
der auf 2 ltr Hubraum vergrößerte ohc-6-Zylinder mit
40 PS.
Im Jahr 1928 vorgestellt, wurde er vom Pubikum
sofort angenommen und war 1929 der meistproduzierte Typ. - Viele
allerdings auf Halde ..

Steyr XX - 1929 - 2 ltr., 6 Zylinder ohc, 40 PS
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Unter Ferdinand Porsches Regie wurde neben dem
Luxus-Steyr Typ Austria auch der Typ XX
zur Serienreife gebracht und die Entwicklung eines neuen, modernen
"Mittelklasse"-Wagens begonnen.
Dieser neue Typ
30 sollte ab dem Jahr 1930 die Typen XII und XX ablösen.

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die Krise 1929 - 1933
Die Weltwirtschaftskrise machte alle Pläne
zu nichte.
Die 1929 infolge der weltweiten Krise jäh
abbrechenden Verkaufszahlen bescherten Steyr eine Halde unverkaufter
Fahrzeuge aller Typen, besonders des neuen Typs XX. Diese Menge
unverkaufter Autos hatte auch enorme Bankverbindlichkeiten zur Folge.
Gleichzeitig brach die Bodenkreditbank (aus anderen
Gründen) zusammen, die nicht nur Hausbank, sondern auch Hauptaktionär
der Steyr-Werke war. Auf Staats-Intervention wurde die Bodenkreditbank
von der Creditanstalt (Rothschild) übernommen. Und mit ihr
auch die (ca. 40%) Steyr-Aktien. Die Creditanstalt war zu diesem
Zeitpunkt schon Hauptaktionär der (1928 fusionerten) Austro-Daimler-Puch
AG.
Enorme Verluste für das Jahr 1929 zeichneten
sich klar ab. Als einziger Ausweg blieb die Einstellung der Automobil-Produktion
ab Herbst 1929.
Porsches begonnene Entwicklung des neuen Steyr
Typ 30 und eines darauf basierenden Lkw Typ Steyr 40 wurden jedoch
weitergeführt und ca. im Herbst 1930 wurde - trotz des anhaltenden
Produktionsstopps - der neue Steyr
30 vorgestellt.
Erst 1931 wurde in Steyr langsam wieder begonnen,
Autos zu bauen. (1930 werden nur 4 Stück Steyr 30 und 8 Stück
Steyr 45 Taxameter als Produktionszahlen genannt).
Dennoch wurde auch in den Folgejahren die gesamte
Situation nicht besser. Bereits 1929 veranlasste die Creditanstalt
zur Kostensenkung die Zusammenarbeit mit der mit der Austro-Daimler Puch AG. Gemeinsame Produktionsplanung, gemeinsamer Material-Einkauf
und zentrale Verkaufsbereiche wurden festgelegt.
Zusätzlich folgten drastische direkte Kostensenkungen. - Der
Personalabbau auf weniger als die Hälfte des Standes von 1928 trieb die
ohnhin in angespannter wirtschaftlicher Lage befindliche Region
Steyr in den absoluten Notstand mit Hungersnot und militanten Auseinander-setzungen.
Gerüchte von der Schließung der Steyr-Werke machten die
Runde. Viele verließen die Region und suchten anderswo auch
durch Auswanderung, ihr Glück.
Die Nachricht von Porsches Weggang verstärkte
die Gerüchte um die Schließung der Steyr-Werke, was die
kritische Situation der Region Steyr zusätzlich belastete.
In den Steyr-Werken waren die Verluste der Jahre
1929 bis 1933, auch nach Auflösung aller Reserven, fast doppelt
so hoch wie das Aktienkapital von 1928.
Nur durch drastische Abwertungen der Aktien (90% 1930 und 95% 1933,
- dabei fiel der Kurs von ca. 28 öS in 1928 auf 0,1 öS
in 1933) und gleichzeitigem Ausgleich aller Verluste durch neues
Kapital (und entsprechend große Mengen neuer Aktien) konnte
die Creditanstalt die Situation retten - und wurde gleichzeitig
fast Alleineigentümer der Steyr-Werke AG. Erst ab 1934 zeigten
die Bilanzen wieder Erfolge.
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Diese Preisliste aus Oktober 1930 zeigt die damalige
Situation sehr gut: Obwohl die Produktion seit einem Jahr still steht,
werden neben dem neuen, noch gar nicht produzierten, Steyr 30 auch
die (noch im Vorjahr produzierten) Typen Steyr XII, Steyr XX und
Steyr XVI angeboten.

britische Preisliste - 1930
Die Fahrzeug-Produktion in Steyr wurde zwar 1931
wieder aufgenommen, aber erst 1934 wurden wieder schwarze Zahlen
geschrieben.
1934 wurde vom Hauptaktionär die Übernahme
der Austro-Daimler-Puch-AG, der es nicht besser gegangen war, durch
die Steyr-Werke AG beschlossen, wodurch die Steyr-Daimler-Puch AG
entstand.
Im Rahmen der folgenden wirtschaftlichen Konsolidierung
wurden 1935 die Austro-Daimler Werke in Wiener Neustadt geschlossen
und die dortige Fertigung von Austro-Daimler Spezialfahrzeugen (meist
Militärfahrzeuge) samt aller Anlagen nach Steyr gebracht. -
Bis 1940 wurden diese Austro-Daimler-Typen in Steyr weitergebaut.
(siehe dazu Daten bei Steyr Nfz).
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